




STÄHLIHAUS [1728] Netstal, GL
Das 1728 errichtete und unter eidgenössischem Denkmalschutz stehende Stählihaus in Netstal zählt zu den wenigen unverdeckten Riegelhäusern im Kanton Glarus. Frühere Restaurierungen des 20. Jahrhunderts führten durch den Einsatz zementöser Putze in den Ausfachungen zu erheblichen Feuchteproblemen. Die eingeschränkte Austrocknung bewirkte insbesondere an den horizontalen Fachwerkhölzern massive Feuchtigkeitsschäden und eine fortschreitende Degradation der bauzeitlichen Substanz.
Im Rahmen der aktuellen Sanierung steht der maximale Erhalt des historischen Holzbestands im Vordergrund. Eingriffe beschränken sich konsequent auf statisch und konstruktiv notwendige Massnahmen. Der Ersatz geschädigter Holzpartien erfolgt mittels zimmermannsmässiger Reparaturverbindungen, die in Abhängigkeit der jeweiligen Belastung objektspezifisch vor Ort definiert werden.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung und erstmaligen Anwendung rein holzbasierter Verbindungsmittel in einer umfassenden Restaurierungsphase. Zum Einsatz kommen Holzgewindeschrauben aus massiver einheimischer Eiche, die erstmals an einem gesamten Gebäude konsequent verwendet werden. Die Verbindungselemente werden eigens gefertigt und mechanisch in die Konstruktion eingebracht; auf den Einsatz von Leim sowie metallischer Verbindungsmittel wird vollständig verzichtet. Diese Bauweise ermöglicht eine erschütterungsarme Ausführung, reduziert das Risiko von Schäden an den empfindlichen Ausfachungen und verhindert zusätzliche Wärmebrücken im Fachwerk.
Die Sanierung des Stählihauses dient damit nicht nur dem substanzschonenden Erhalt eines bedeutenden Baudenkmals, sondern zugleich als praxisorientierter Testlauf für reversible, materialgerechte und handwerklich innovative Restaurierungsmethoden im historischen Fachwerkbau.